LA PALMA - Canary Island


Moin, wir sind David und Moritz, zwei dicke Biker-Kumpels, die es immer wieder schaffen das beider liebste zu tun. Das Leben genießen, geheime Trails entdecken, neue Länder kennenlernen und die Herausforderung suchen, aber Hauptsache zusammen zum Biken gehen. Für gewöhnlich sind wir auch auf langbeinigen Enduro-Bikes unterwegs. Diese Bikes vereinen für uns die Möglichkeiten, Berge zu erklimmen mit anschließender Tiefenmeter-Tilgung auf unwegsamem Terrain. Da ihr schon mitten in den Zeilen des neuen Gravity Mountain Bike Magazin steckt, gehen wir davon aus, dass ihr mit uns den Enthusiasmus für den Abfahrtsorientierten MTB-Sport teilt.
Es ist Februar - Donnerstagmorgen in Berlin, 2°C, bewölkt, Ortszeit 10.00 GMT+1h. Um diese Zeit sitze ich für gewöhnlich im Büro. Plötzlich springt ein kleines Fenster in meinem PC auf: „Hey Mo, bist du spontan? In einer Woche könnten wir schon in der Frühlingssonne biken!“


Jiha, ... Mein nächster Gedanke befasste sich nur noch damit, wie ich für den Zeitraum Urlaub bekomme. Nachdem meine netten Kollegen mir so kurzfristig Urlaub gewährt hatten, machte ich mich an die Flugbuchung.
Angekommen in Santa Cruz de La Palma, fuhren wir für günstige zwei Euro auf die Westseite und damit auf die Gut-wetterseite der kleinen tropfenförmigen Insel. Genauer gesagt, nach Los Llanos de Aridane. Und hey, die Sonne schien kräftig. Sehr angenehm! Von dort aus schlugen wir uns durch die Fußgängerzone vorbei an einer der vielen Cafeterias. Auf zuletzt vor einem Jahr angewendetem Spanisch, fragte ich: ?Donde esta la Calle Fernandez Tano? ?Sabes? Plötzlich ging es schnell: Si, claro, facil, vas este calle... Was so viel heißt, wie: hoch auf den Platz und nochmal fragen. Oben angekommen, fragte ich David: Kommt dir von denen dort im Café jemand bekannt vor? Die schauen uns alle so synchron an. -Ja klar, wir sind da! Das ist Sigi Wagner, unser Guide. Irgendwie hatten wir von Anfang an das Gefühl, als kennen wir uns schon. Er brachte uns zu unserer Unterkunft, die Magic-Bike-Station. Was für eine Wohlfühloase! Einmal dort gewesen, wird man lange ihres Gleichen suchen: Liebevoll, materialtechnisch stilvoll und handwerklich auf höchstem Selfmade-Niveau.



Nach einem Powernap, ab an den Strand, akklimatisieren und im Atlantik schwimmen gehen. Auf La Palma geht das bei angenehmen Temperaturen das ganze Jahr über, selbst im Februar. Die Bikes standen schon in den Startlöchern, doch es folgte ein wasserfallartiger Regentag. Da wir unsere Ration La Palma Bike-Action noch bekommen sollten, blieben wir entspannt. In der Cafébar auf dem Plaza tauschten wir uns mit anderen Bikern und interessanten Individualmenschen aus. Wir sprachen über die Insel, die Geschichte, über spannende Orte, die man unbedingt sehen sollte, und natürlich auch über Bikes und die örtlichen Trails.


Mit einem super rausgebratenem Rührei und unseren NICOLAI Leihbikes, waren wir für den Saisonauftakt bestens gewappnet. Nach täglichen 6 km zur Arbeit in Berlin komme ich da noch auf keine 200 Kilometer, ganz zu schweigen von gefahrenen Höhenmetern. Aber bis in die Fingerspitzen motiviert, werden die anstehenden 1000 hm kein Problem sein. Ehrlich gesagt, war ich die ersten Kilometer von der Landschaft nicht sonderlich ¬beeindruckt, was sich aber ab dem Kiefernwald und der darauffolgenden Lavalandschaft komplett änderte. Oben auf der Hexenebene angekommen war sofort klar: Hey, das ist eine Spielwiese für jeden Freeride-Begeisterten. Es war mystisch, der Nebel kam vom Tal und zog knapp über der losen Lavaerde in Richtung Gipfel. Ein Bild für die Götter oder halt für jeden, der dabei war. Nach einer kurzen Riegelpause freuten wir uns auf die bevorstehende Abfahrt. Vamos!


Über den ausgehärteten Lavastrom und Waldlandschaften bügelten wir über die durch Steinbrocken definierten Trails die 1000 hm hinab. Unser Guide versprach Kaffee und Kuchen an einer verlassenen Touristen-Info. Das war eine geniale abwechslungsreiche Tour!
Noch lange nicht satt von der Lavalandschaft - back to the Playgrounds! An zu befahrbaren Untergrund hat die Insel einiges zu bieten. Einer der interessantesten Beschaffenheit die mir unter die Stollen kamen war das kieselartige schwarze Lavagestein. So lange es geradeaus geht, ist nichts ungewöhnlich. Doch beginnt man Kurven zu fahren, fühlt es sich an wie Surfen auf den Wellen vor Tahiti oder im tiefsten Powder gleitend in den Schweizer Alpen. Jedoch sollte jeglicher Kontakt von Haut mit Lavagestein (scharfkantiger Kiesel) absolut vermieden werden. Wer dies nicht beachtet, riskiert hässliche Schürfwunden. Von daher ist es mehr als sinnvoll in einer Gruppe mindestens ein Erste-Hilfe-Set dabei zu haben, welches vorher auf Vollständigkeit und Zustand überprüft wurde.



Wir entdeckten einen großen Sprung, der einen mit genügend Geschwindigkeit direkt in den Himmel katapultiert. Aber da sollte eben ein professioneller Fahrer das Fotomodell spielen. Wir wachsen mit unseren Aufgaben und der Spaß stand, steht und wird im Vordergrund stehen. Nach weiteren 300 hm wurden uns völlig neue Vegetationsformen offenbart: Kräftig grün bewachsener Boden im anfangs sonnigen und später dunklen und nebeligen Kiefernwald. Diese Kiefern haben schon größter Hitze Widerstand geleistet und tragen davon noch Spuren: Die Rinde gleicht bei genauerem Hinsehen Kohlebriketts.


Am nächsten Morgen packten wir leicht schlaftrunken unsere Rucksäcke und machten uns auf, um den Pico de Namproque zu erklimmen. Abends zurück von der vielseitigen Trailtour, die man Prozentual so ausdrücken könnte: 95% Trails, 4% Straße und 1% Fußgängerzone, gönnten wir uns ein leckeres Essen mit den Guides bei lustigen Gesprächen und einigen Getränken. Am darauffolgenden Tag ließen wir uns Zeit, um erst einmal die vielen Eindrücke auf uns wirken zu lassen. Wir entschlossen uns für eine kleine nachmittags runde, um der Empfehlung unseres Guides nach zu kommen. Am Schmugglertrail oder auch dem sogenannten Piratentrail, sollten wir pünktlich vor Sonnenuntergang ein Highlight erleben. Nach 30 Minuten hochfahren, standen wir am Einstieg. Von dort aus bahnte sich der Trail bis zum Atlantischen Ozean hinab. Genial griffiger, glatter Fels wurde zu teils losen Pfaden, zeigte sich aber weiter unten durch eine Vielzahl an Spitzkehren von einer der schönsten Seiten, die La Palma zu bieten hat.


Sicher kann man die Insel auf eigene Faust erkunden, doch wem geht es nicht auch so, man ist im Unbekannten Terrain unterwegs und das Fahren auf Trails gleicht einem Glückspiel. Allzu oft ist es mir vorgekommen, dass ich hart erarbeitete Höhenmeter auf breiten Forstwegen oder schlimmer noch auf Asphaltstraßen abgefahren bin. An dieser Stelle kommt der Guide ins Spiel. Mit ihm an der Seite ist das Befahren auf den besten Pisten garantiert. Unser Guide Sigi schien immer genau zu wissen was wir brauchen. Angenehme Anstiege auf gut befahrbaren Wegen und rasante Abfahrten auf schmalen Trails. Das Ganze ist auch noch legal, denn im Gegensatz zu Deutschland hat die Insel kein Gesetz gegen das Befahren von Wegen die schmäler sind als zwei Meter. Das Verhältnis mit den Wanderern, war durchweg sehr entspannt und eine gegenseitige Akzeptanz war spürbar.


Sigi kommt ursprünglich aus Deutschland und ist schon seit 10 Jahren auf der Insel und den dazugehörigen Trails unterwegs. Da wundert es kaum, wenn wir mit geschulterten Bikes zu klettern anfingen und er souverän an uns vorbei fuhr. Sein Motto: Ride first - work later hat er sich buchstäblich zum Beruf gemacht.









Sieben Tage raus aus dem Alltag und La Palma entdecken, können wir nur wärmstens weiterempfehlen. Diese enorme Vielfalt an Vegetationen, wenig frequentierte Pfade und milde Temperaturen machen einen Biketrip vollkommen.

Weitere Informationen: magic-bike-lapalma

Cheerio David und Moritz

Text | Fahrer Moritz Braun
Fotos David Schultheiß